ETH oder FH?

In der Schweiz gibt es zwei Bildungswege, um Ingenieurin oder Ingenieur zu werden. Einer davon wird an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) angeboten, der andere an den Fachhochschulen (FH). Welches sind die wichtigsten Unterschiede zwischen diesen beiden Bildungsstätten?

Ausbildungsgrundlagen

An der EPFL, der ETH Lausanne, basiert die Ausbildung auf universellen Grundkenntnissen in Mathematik und Physik. Mit diesem Ansatz wird an die am Gymnasium unterrichteten Fächer angeknüpft.

Die meisten FH-Studierenden haben zuvor eine Lehre absolviert und verfügen über umfangreiche Praxiskenntnisse, auf welche die FH-Ausbildung aufbaut.

Notabene: Auch Inhaberinnen und Inhaber einer gymnasialen Maturität können zu den FH zugelassen werden. In den meisten Fällen verlangen die FH dazu eine einjährige Arbeitswelterfahrung in einem dem Fachbereich verwandten Beruf, um die Lücken in der praktischen Vorbildung zu schliessen.

Unterschiedliche Kompetenzen und Berufsaussichten

Diese unterschiedlichen Grundlagen führen zum Erwerb unterschiedlicher Kompetenzen. Der wissenschaftliche und allgemeine Ansatz der ETH ist allen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen gemeinsam. Er eröffnet den Absolventinnen und Absolventen viele Türen in die Praxis und ermöglicht es ihnen, sich im Rahmen des Master-Studiums ein breites Fachwissen anzueignen und sich dadurch Zugang zu vielen beruflichen Möglichkeiten zu verschaffen. An der Forschung interessierte Ingenieurinnen und Ingenieure haben zudem die Möglichkeit, entweder an der EPFL, anderswo in der Schweiz oder im Ausland ein Doktorat zu absolvieren.

Notabene: Der Erwerb dieser wissenschaftlichen Kompetenzen erfordert ein gewisses Abstraktionsvermögen und das Verständnis von Konzepten in ihrer allgemeinen Form (in den ersten beiden Bachelor-Jahren), bevor mögliche Praxisanwendungen in einem bestimmten Bereich behandelt werden können.

Wie der Name bereits vermuten lässt, bieten Fachhochschulen spezifischere Studienprogramme an, was mit einer kürzeren und technischeren Ausbildung sowie gezielten, fachspezifischen Berufsmöglichkeiten einhergeht. Es gibt auch Studienprogramme auf Master-Stufe, das Absolvieren eines Doktorats hingegen ist nur mit einer Partneruniversität und unter bestimmten Bedingungen möglich.

EPFL-Studierende werden während ihrer Ausbildung dazu ermutigt, interdisziplinär zu arbeiten, nach innovativen Lösungen zu suchen, Forschungsbereiche zu ergründen und neue Wege zu beschreiten. An einer FH liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Umsetzung, der Verbesserung bestehender Prozesse sowie der engen Verknüpfung mit den technischen Bedürfnissen der Arbeitswelt.

Unterschiedliche Pädagogik

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal betrifft die Pädagogik. Die Ausbildung an einer ETH basiert auf der Autonomie der Studierenden. Zu Beginn des Studiums besteht oft eine weniger starke Verbindung zu den Professorinnen und Professoren als am Gymnasium. Die Teilnahme an den Vorlesungen und an den Übungen ist nicht obligatorisch, wird jedoch dringend empfohlen. Das erworbene Wissen wird jeweils am Ende des Semesters während der Prüfungssession geprüft. Es obliegt den Studierenden, Verantwortung für ihr Studium zu übernehmen und die für sie geeigneten Arbeitstechniken zu erlernen.

Notabene: Diese Autonomie bzw. die Fähigkeit zur Übernahme von Eigenverantwortung ist ein wichtiger Vorteil, eine Querschnittskompetenz, auf welche die Studierenden bei ihrem Einstieg ins Berufsleben zurückgreifen können.

An einer FH ist die Betreuung strukturierter. Die Studienkontrolle erfolgt fortlaufend und die über das Jahr erbrachten Leistungen fliessen in die Prüfungsnote ein. Aufgrund der kleinen Klassen kennen die Dozierenden ihre Studierenden und begleiten sie in ihrem Lernprozess. Sie erkennen allfällige Schwierigkeiten und können den Studierenden zur Seite stehen.

Studiendauer

Bei einem Studium an der EPFL wird der berufsbefähigende Ingenieurtitel zusammen mit dem Master-Abschluss verliehen, d. h. nach fünf Studienjahren. Dieser Titel geniesst eine hohe internationale Anerkennung und ermöglicht die Berufsausübung in den meisten Ländern der Welt.

An einer Fachhochschule wird der Ingenieurtitel zusammen mit dem Bachelor-Abschluss verliehen. Die meisten Studierenden steigen anschliessend ins Berufsleben ein.

Theorie versus Praxis

Obwohl die Ausbildung an einer ETH mit einer Reihe von theoretischen Lehrveranstaltungen beginnt, ist doch ein wesentlicher Teil der Praxis und der Anwendung von Konzepten gewidmet. So machen sich die Studierenden zu Beginn der Ausbildung anhand von Praktika mit verschiedenen Arbeitstechniken vertraut. Ab dem letzten Bachelor-Jahr sowie im Master-Studium setzen sie das gesamte erworbene Wissen im Rahmen von umfangreichen Projekten um. Insgesamt stellt die praktische Ausbildung über 30% des Studienumfangs dar.

Berufliche Entwicklung

Zahlreiche ETH-Ingenieurinnen und -Ingenieure arbeiten fünf Jahre nach ihrem Abschluss nicht mehr in ihrem ursprünglichen Bereich, sondern in einer Führungsposition oder in der Teamleitung in teilweise sehr unterschiedlichen Bereichen. Eine solche berufliche Entwicklung wird durch die wissenschaftliche Kultur sowie die während dem Studium entwickelte Fähigkeit zur Analyse und Genauigkeit ermöglicht.

Wie trifft man die richtige Wahl?

Die Besonderheiten dieser beiden Bildungswege, die sich letztendlich ergänzen, werden auf dem Arbeitsmarkt anerkannt und geschätzt. Es muss also jeder für sich selbst entscheiden, welches Studium den eigenen Erwartungen und Zielen am besten entspricht.

Bachelor-Angebot

Der Bachelor, 1. Etappe in jedem technischen Studium, kann in 13 Fachrichtungen absolviert werden und ermöglicht den Erwerb der für das gewählte Fachgebiet erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen.

Orientierungstools

Neben zahlreichen Informationsveranstaltungen stellen wir Ihnen auch verschiedene Orientierungstools zur Verfügung, welche Ihnen die Studienwahl entsprechend Ihren Interessen und Ambitionen erleichtern sollen.

Studienaufbau

Der mit 180 Kreditpunkten (ECTS) bewertete Bachelor-Studiengang erstreckt sich über drei Jahre und ist Voraussetzung für ein Master-Studium.

Kontakt

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EPFL AVP-SAO
Centre Midi – CM2 348
Station 10
CH – 1015 Lausanne